Alle Kritiken

2. Nov, 2017

7,5 von 10 Punkten

Bildmaterial: © Marvel

Die Darsteller:

Hauptdarsteller und Hollywood Schnuckel Chris Hemsworth füllt seine Paraderolle als Donnergott wieder voll aus. Nicht nur wegen seiner physischen Präsenz, sondern auch seine komödiantische Seite, welche er schon in „Ghostbusters“ zeigen konnte, trägt zum funktionieren beim dritten Soloauftritt des Asgardianers bei. Sein routinierter Kollege Mark Ruffalo hat indes nicht viel zu tun, da Bruce Banner die meiste Screentime als Hulk in Erscheinung tritt. Tom Hiddleston nimmt einmal mehr seinen Part als Loki auf und ist schauspielerisch wieder ein wahrer Genuss. Diabolisch und gewitzt steckt er, in punkto mimischem Handwerk, seinen Filmbruder Hemsworth locker in die Tasche. Oscar Preisträgerin Cate Blanchett spielt eine hervorragende Todesgöttin Hela und ist zwar drehbuchbedingt in ihrer Bösartigkeit relativ stark gedämpft, macht aber als geweihtragende erste weibliche Antagonistin in einem Marvel Film eine gute Figur. Etwas fehl am Platz wirkt Tessa Thompson in ihrer Rolle als Scrapper 142. Als ausrangierte und trinkende Walküre hat man als Zuschauer das Gefühl, sie versucht stark den „Letty Style“ aus „Fast and Furious“ zu kopieren, erreicht aber dabei noch lange nicht den Charme einer Michelle Rodrìguez. Die Handlangerrolle von Skurge – gespielt von „Star Trek“ und „Herr der Ringe“ Star Karl Urban – ist wie für ihn gemacht. Der routinierte Nebendarsteller holt alles aus seiner Rolle und vereint einen Eomer mit einem Dr. McCoy in einem Charakter. Idris Elba stellt wieder den Heimdall dar und bekommt ein Upgrade seines Parts, was ihm die Möglichkeit gibt zu zeigen dass es nicht nur eine Freude ist, diesem Schauspieler mit dem Revolver zuzusehen, sondern auch das riesenhafte Schwert zu schwingen steht ihm sehr gut. Ein unterhaltungstechnischer Gaumenschmaus ist auch der „Independence Day“ Star Jeff Goldblum. Als durchgeknallter Hippie Pate „Grandmaster“ schraubt er sich in ungeahnte Comedy Höhen und mit noch mehr Screentime hätte er seine volle Genialität entfalten können und seine jüngeren Kollegen aber ganz locker an die Wand gespielt. Goldblum stiehlt sogar beinahe dem brillanten Benedict Cumberbatch in seinem kurzen Geplänkel mit Thor als Dr. Strange die Show.

 

Der Film:

Es las sich schon interessant, als bekannt wurde, welcher Regisseur das dritte „Thor“ Soloabenteuer inszenieren wird, denn der „Wo die wilden Kerle wohnen“ Regisseur Taika Waititi, ist doch eher im Komödiengenre angesiedelt. Somit konnte schon geahnt werden wohin die Reise führen wird. Waititi griff effektetechnisch ganz tief in die Trickkiste und liefert uns einen optischen Leckerbissen in gewohnter Marvel Superqualität. Was die Herangehensweise des Films angeht, werden sich die Geister wohl scheiden, denn die eingefleischteren Comic Fans hätten sich bei dem Thema „Ragnarok“ inkl. der Todesgöttin Hela wohl einen dunkleren und düsteren Marvel Blockbuster erhofft. Dies ist wohl auch das größte, aber auch beinahe einzige Problem des Films. Schon fast im Stakkato werden die Gags im Stil der gut funktionierenden „Guardians of the Galaxy“ abgefeuert. Ob dies bei „Thor 3“ notwendig gewesen wäre, darüber lässt sich streiten, macht aber auf jeden Fall einen Heidenspaß. Der Plot um die grausame Hela als Gegnerin, welche in ihrer Diabolik Ihresgleichen sucht, hätte ohne die Comedy zu einem der bisher härtesten MCU Filme führen können. Stattdessen wird beinahe jede Situation, die sich dramatisch und auch (FSK 12 tauglich) brutal aufbaut, durch eine schon eher aus dem Slapstick Genre zuordenbare Handlung entschärft. Dies ist zwar saukomisch und über den gesamten Streifen sind schon 2-3 richtige Tränendrücker dabei, nimmt der Ernsthaftigkeit und auch dem Charakter der Hela einiges an Luft und lässt viel Potential dieser starken Gegnerin ungenutzt auf der Strecke liegen. Wer jedoch den dauerkalauernden Stil rund um Starlord und Gamorra zu schätzen wusste, wird auch am aktuellen „Thor“ seine Freude haben und wie auch schon der zweite „Guardians“ kann dieser Film ganz leicht auch ohne Vorkenntnisse des Marvel Cinematic Universe genossen werden. Das eine oder andere Easter Egg ist wieder eingebaut und auch witzige Cameo Auftritte sind vorhanden. Es soll nicht Zuviel verraten werden, doch versuchen sie die bekannten Gesichter zu entdecken und merken sie sich diesen Satz: „Jason Bourne nimmt Thor`s realen Bruder bei der Hand und besucht Dr. Alan Grant im Jurassic Park“. Die Kameraarbeit von Javier Aguirresarobe hinterlässt ebenfalls ihre sichtbare Handschrift, da die Einstellungen teilweise näher an seinem „Gänsehaut“ sind, als an einem Marvel Blockbuster dieser Größenordnung. So viel gute Laune der Film auch macht, hätten sich die Autoren Christopher Yost, Craig Kyle, Stephany Folsom und Eric Pearson gerade im Finale der Geschichte, doch noch auf einen eher ernsteren Pfad einigen sollen, da dieses doch einiges an Dramatik enthält, aber aufgrund der Weiterführung des Klamauks an Bedeutung verliert. Einer der wenigen der noch die nordische Stärke und die Präsenz von Allvater Odin spüren lässt, ist Anthony Hopkins, der auch mit wenigen Auftritten noch immer jeden Film adelt. Tipp zum Abspann: Bis wirklich ganz zum Ende sitzen bleiben!!

 

Fazit:

Exzellent produzierter Marvel Blockbuster der mit schönen 3D Effekten, coolem Soundtrack, optischen Schauwerten und einem glänzenden wie auch sehr gut gelauntem Schauspielerteam punkten kann, sich mit seinem „Slapstick und Kalauer“ Stil etwas zurückschrauben hätte sollen um ein gewisses Maß an Ernsthaftigkeit zu erhalten, aber dennoch einen Riesenspaß und einen unterhaltsamen Kinoabend bereitet.

19. Okt, 2017

6,5 / 10 Punkten

Bildmaterial: © 2017 Twentieth Century Fox Home Entertainment

Die Schauspieler:

„Das Belko Experiment“ wartet insgesamt mit einigen bekannten Gesichtern auf. Darunter findet sich allen voran der Schauspieler und Regisseur Tony Goldwyn, der breiten Masse wohl noch als Carl aus dem Fantasyfilm „Ghost“ bekannt. Warum der Vergleich zu „Ghost“ – Goldwyn liefert hier als Betriebsleiter von Belko wieder ordentlich ab und es können deutliche Parallelen zu seiner damaligen, aggressiven, Darstellung gesehen werden. Ein besonders bekannter Mime ist wohl auch John C. McGinley, besser bekannt als fieser Dr. Cox der Serie „Scrubs“. McGinley läuft hier einmal mehr zur Hochform auf und hätte, mit etwas mehr Screentime, wohl eine seiner besten Leistungen seit „Platoon“ abliefern können. Ein weiterer Hauptdarsteller ist John Gallagher Jr., der den Belko Mitarbeiter Michael Milch spielt. Dieser spielt sich im Verlauf der Handlung immer mehr in seine Rolle und stellt glaubhaft die situationsbedingten Veränderungen seines Charakters dar. „True Detective“ Darstellerin Adria Arjona, spielt die Freundin von Milch – Leandra Jerez -  und spielt zwar die ihr zugedachte Rolle ganz gut, muss sich aber zumeist der drehbuchbedingten,  feministischen „Lauf und Wein“ Art ihres Charakters fügen. Wieder einmal brillant in einer genau für ihn zugeschnittenen Rolle, sehen wir Sean Gunn als den psychotischen Marty. Diese für ihn adaptierte Rolle, welche seinem Part in den „Gilmore Girls“ sehr ähnelt, ist wohl aber kein Zufall, da Gunn der Bruder von Erfolgsregisseur und „Belko“ Autor / Produzent James Gunn ist. Insgesamt macht das weitere Ensemble rund um Josh Brener, Michael Rooker, Melonie Diaz, Brent Sexton und Abraham Benrubi (den wir immerhin auch schon in Blockbustern wie „Open Range“ gesehen haben) ihre Sache sehr gut und trägt zur Stimmungserhaltung fast bis zum Ende bei.

 

Der Film:

Jeder Zuseher kann und wird für sich entscheiden, mit welchem Prädikat er „Das Belko Experiment“ beschreibt. Ob es pervers, krank, interessant, wertvoll oder hochintelligent ist, der Film ist kontrovers und wird sehr viele Meinungen hervorrufen. Regisseur Greg McLean nahm sich des Stoffes des Drehbuchs von James Gunn an und das Ergebnis kann sich für einen Film mit einem Budget von 5 Millionen Dollar schon sehen lassen. Interessant ist auch die Herangehensweise von Regisseur McLean, da in den Eröffnungsszenen – und sei es nur durch das eine oder andere Schild an der Wand – noch daran geglaubt werden könnte, es könne der Film mit einem Augenzwinkern betrachtet werden, doch nur kurz darauf wird man eines besseren belehrt und die Handlung driftet in die knallharte Ernsthaftigkeit. In den ersten beiden Dritteln sucht die psychische Belastung, welche auf die Belko Mitarbeiter drücken muss, Ihresgleichen. So feinfühlig und intelligent als möglich wird die Situation aufgebaut, welche, ohne die dementsprechende handwerkliche Raffinesse, auch in einem sinnfreien Schlachtfest enden hätte können. Wem noch das Schmunzeln im Gesicht gestanden ist, bei den „Halsband-Exekutionen“ aus „Kingsman“, dem wird hier in einer ähnlichen Situation das Lachen schnell vergehen. Ebenfalls erfrischend anders ist die Umsetzung der völlig atypischen Todesreihenfolge, denn auch bekannte Gesichter in der Darstellermannschaft sind nicht automatisch vor einem zu frühen Ableben gefeit. Seine stärksten Defizite hat der Film aber dann im finalen Drittel, da sich dort einige, zuvor schlau konstruierte, Situationen an die Wand fahren und schon wieder sehr nahe am herkömmlichen Splatter vorbeischrammen. In diesem Teil des Films beginnen dann auch, vielleicht bedingt durch die Veränderung des Drehbuchs, einige darstellerische Leistungen zu bröckeln. Ohne viel darüber erzählen zu wollen, ist auch die schlussendliche Auflösung (wenn es so genannt werden darf) alles andere als befriedigend und könnte einem gezielten Denkanstoß, aber auch banaler Ideenlosigkeit geschuldet sein. Es gibt vergleichbare Projekte, die einiges ähnlich, jedoch vieles besser als „Das Belko Experiment“ machten. Fans der „Cube“ Filme werden auch hier auf ihre „klaustrophobisch, perfiden Psychospielchen“ Kosten kommen und ähnlich wie in „Die Welle“ ist es sowohl hochinteressant, als auch beängstigend zuzusehen, wie sich sofort eine Leithierarchie herauskristallisiert, welche die Lämmer anführt und sie zur Schlachtbank begleitet. Wie nahe sich jeder Zuseher den Film kommen lässt, sei ihnen selbst überlassen, jedoch sei empfohlen, dass „Das Belko Experiment“ erst seine beste Wirkung erzielen wird, wenn man sich die eine, alles entscheidende Frage stellt – was würde ich selbst tun und wie weit wäre ich bereit zu gehen……?

 

Fazit:

Gut eingefädelter Bürothriller, der exakt auf Klaustrophobik und psychischen Stress setzt, mit gut ausgewählten Darstellern auch über weite Strecken des Films das Niveau relativ weit oben halten kann, im finalen Drittel aber stark nachlässt und in eine leider zu gewöhnliche und ideenlose Gewaltorgie mündet.

 

13. Okt, 2017

ES

7,5 / 10 Punkten

Bildmaterial: © 2016 Warner Bros. Ent.

Die Schauspieler:

Die Besetzung ist bei einer Verfilmung eines solchen Romans wie „ES“ ganz sicher eine der schwierigsten Aufgaben, welche es zu meistern galt. Stellen doch  gerade erst die verschiedenen Charaktere des Clubs der Verlierer, der sich dem Bösen in Derry entgegenstellt,  das Fundament dar, das diesen Kampf überhaupt erst möglich macht. Der Anführer der Truppe – Bill Denbrough – wird dargestellt von Jaeden Lieberher und kann sich zwar mit dem Charisma des 1990er Jonathan Brandis nicht ganz messen, macht seine Sache aber dennoch exzellent. Richie Tozier wird gespielt von Finn Wolfhard, der schon in der „King-ähnlichen“ Serie „Stranger Things“ Horrorerfahrung sammeln konnte und die locker flockige Art der Figur des Richie, der in noch so düsteren Situationen zu einem Scherz aufgelegt ist, ebenfalls gut anlegt. Jeremy Ray Taylor spielt den übergewichtigen Ben Hanscom und blüht im Lauf des Films geradezu in seiner Rolle auf. Gerade in dessen Fall war dies sicher keine leichte Aufgabe, da er als Mitglied im Club der Verlierer wohl eine der sichtbarsten Charakterfestigungen durchlebt. Die beiden Wyatt Oleff und Chosen Jacobs als Stan Uris und Mike Hanlon, machen ihre Sache zwar ebenfalls gut, bekommen aber, im Gegensatz zur Handlung des Buches, relativ wenig Aufgaben zugeteilt. Die wohl zwei besten im Club sind Jack Dylan Grazer als der kränkliche und unter der Fuchtel seiner Mutter stehende Eddie Kaspbrak, sowie die unglaublich charismatische Sophia Lillis als das einzige Mädchen der Truppe Beverly Marsh. Selten kann einer Kinderdarstellerin mit einer dermaßen starken Leinwandpräsenz zugesehen werden. Die aber am meisten im Vorfeld diskutierte Figur war wohl die des ES / Pennywise. Diese Aufgabe fiel dem schwedischen Schauspieler Bill Skarsgard zu, welcher diese mit Bravour besteht. Aufgepeppt mit Hasenzahnprothese schafft er es, der Diabolik eines 1990er Tim Curry Paroli zu bieten. Skarsgard ist gleichermaßen präsent wie gruselig und verleiht dem Bösen ein Gesicht, bei dem wohl niemand vor der Gänsehaut sicher ist.

Der Film:

Riesig war er, der Brocken den sich der argentinische Regisseur Andres Muschietti auf seine Schultern geladen hat. Eines der wohl beliebtesten und gleichzeitig längsten Bücher von Horrormeister Stephen King erneut zu verfilmen, verlangte viel Fingerspitzengefühl und Kreativität. In vielen Punkten hat sich in der 2017er Film näher am Buch orientiert, als es die 90er TV Fassung getan hat und avanciert zu einer der besten Stephen King Verfilmungen überhaupt. Mit einem verhältnismäßig geringem Budget von 35 Millionen Dollar das zu erschaffen, was uns Muschietti hier im Kino präsentiert ist beeindruckend. Fein eingesetzte CGI Effekte, die in der ein oder anderen Szene (mal gewollt, mal ungewollt) etwas billig wirken, überlagern nicht wie in anderen Filmen die Seele des Films, sondern unterstützen diese gekonnt und verleihen „ES“ ein frisches Bild. Die Idee, die im Buch und der Altfassung parallel erzählten Zeitlinien, auf zwei Filme mit zuerst Kindern und dann Erwachsenen aufzuteilen, stieß bei der großen Fangemeinde zuerst auf gemischte Gefühle. Dieser Ablauf funktioniert jedoch äußerst gut und erhält eine gewisse Struktur, die den Zusehern, welche das Buch nicht gelesen haben, einen leicht verständlichen, den Handlungsfluss nicht störenden, Ablauf. Aus dieser Idee der zwei Zeitlinien, entsteht auch eine der größten Stärken des Films – das Zusammenspiel zwischen den Mitgliedern im Club der Verlierer. Hätten vielleicht zwei parallele Erzählstränge dazu geführt, die starke und wichtige Bindung zwischen den sieben Kindern nicht moderat visualisieren zu können, bot die größere Screentime den Schauspielern des Clubs mehr Raum zur Entfaltung, woraus eine einzigartige Chemie entstand – nicht zuletzt aufgrund der großartigen Sophia Lillis im Zenit. Die einzelnen Charakterzeichnungen und die Darstellung, warum jeder der Mitglieder für sich ein „Verlierer“ ist, bleiben dagegen etwas auf der Strecke und man entlässt die Kinobesucher um eine gefühlte halbe Stunde zu früh aus dem Saal. Was absolut auf der negativen Seite zu erfassen wäre ist, dass Regisseur Muschietti der Figur des Mike Hanlon kaum Aufgaben und Text zukommen lässt. Schauspieler Chosen Jacobs wird zum Mitläufer, der seine eigentlich wichtigen Aufgaben aus der Originalhandlung - die ihn im Club unersetzlich machen und die Stärke der Gemeinschaft eigentlich unterstreichen sollten - an den dicklichen Ben Hanscom abtreten musste. Dies entzieht ihm unweigerlich seine Legitimation im Kampf gegen das Böse und deklassiert ihn zum herkömmlichen „Quotenschwarzen“. Die Umsetzung des feinen Drehbuchs, an dem der ursprüngliche Regisseur Cary Fukunaga mitwirkte, gelang weitgehend exzellent. Die perfide, spannend und gruselig aufgebauten Situationen, gipfeln gelegentlich in einem zu großen „Bums“, der manchmal zu vorhersehbar kommt und nur einige Situationen zulässt, in denen die Jump Scares richtig zünden – dann aber richtig! Somit sei dieser Film, der aufgrund seiner Kernhandlung ruhig noch furchterregender hätte sein können, jedem ans Herz gelegt um sich gruseln zu lassen und um dann mit Spannung auf Teil 2 zu warten wenn es dann 2019 wieder heißt: „Wir fliegen alle hier unten….“

Fazit:

Sehr fein aufgebauter Horrorfilm, der etwas zu kurz geraten ist, bei dem sich der Regisseur gelegentlich auf die Finger hätte patschen sollen um nicht über das Ziel hinaus zu schießen, jedoch aber mit einem tollen Drehbuch, guten visuellen Ideen, einem brillanten Darstellerensemble, viel Spannung und einem hohen Gruselfaktor aufwarten kann.

6. Jul, 2017

Bildmaterial: © 2017 Sony Pictures Releasing GmbH

7,5 / 10 Punkten

Die Darsteller:

Der mittlerweile 21 jährige Tom Holland schlüpft wieder in seine, in „Civil War“ eingeführte, Rolle des Peter Parker / Spiderman. Holland kommt zugute dass er, aufgrund seines sehr jugendhaften Aussehens, bestens noch ohne Probleme als 15 jähriger Highschool Schüler durchgeht. Voll motiviert und vor Energie und Charme sprühend stürzt er sich in seinen zweiten Beitrag zum Marvel Cinematic Universe. Schauspielerisch macht er seine Sache wirklich gut und weiß sein Publikum durchaus bei der Stange zu halten. Der Antagonist des Films – Michael Keaton in der Rolle des Adrian Toomes alias Vulture – macht wieder das, was er zuletzt auch schon brillant in z. b. „Birdman“ abgeliefert hat und liefert sich ein schauspielerisches Match mit seinem Kollegen Tom Holland. Ob auf der guten oder bösen Seite, dem Ex- Batman Keaton kauft man wirklich jeden seiner Charaktere ab. Der vielfach in den Trailern und Plakaten angepriesene Disney Star Zendaya Coleman, bekommt hier in ihrer Rolle der anarchistischen und eigenbrödlerischen Schulkollegin Michelle, weniger zu tun als erwartet, wird aber (soviel sei verraten) nicht zum letzten Mal mit Tom Holland vor der Kamera stehen. Robert Downey Jr. wird in seiner Paraderolle aus dem Hause Marvel – Tony Stark / Iron Man – eigentlich nicht mehr gefordert. Downey spielt nicht Stark, Downey ist Stark, auch wenn er seine Rolle in „Homecoming“ etwas mehr in Richtung lehrreicher und erwachsener Mentor anlegt, als die Fans es gewohnt sind. Wunderbar als unterhaltsame Sidekicks funktionieren „Iron Man“ Regisseur Jon Favreau, einmal mehr als Happy Hogan und auch Jacob Batalon bildet als Peters Freund Ned Leeds, eine schöne und spaßige Ergänzung des insgesamt souverän funktionierenden und gut gelauntenTeams.

 

Der Film:

Es war wohl eine weise Entscheidung, Spidermans Entstehungsgeschichte nicht ein weiteres Mal von vorn zu erzählen, sondern sich voll auf die Charakterzeichnung von Peter Parker zu konzentrieren. „Cop Car“ Regisseur Jon Watts und Produzent und Marvel Mastermind Kevin Feige zeigen uns einen 175 Millionen Dollar Superheldenstreifen, der zwar nicht gänzlich umgekrempelt und neu erfunden ist, jedoch aber mit einer erfrischenden Andersartigkeit die Figur des Spiderman in das MCU einfügt, welches bisher lange ohne den Spinnenmann auskommen musste. Die Rückkehr von „Spidey“ und die Streitbeilegung zwischen Sony und Disney um die Rechte an der Figur, dürfte zum Teil auch den Titel des Films – Homecoming – erklären. Mit zündenden und meist auf Peters jugendlicher Tollpatschigkeit aufbauenden Gags, einer urkomischen Eröffnungssequenz und einem vor Motivation sprühenden Tom Holland, baut sich die Handlung im ersten Drittel recht strukturiert und unterhaltsam auf. Es wird insgesamt das Ziel nicht aus den Augen verloren, während wunderbar dabei zugesehen werden kann, dass Peter Parker im Grunde doch erst ein 15 jähriger Junge ist, der zwar gern ein perfekt agierender Avenger wäre, dies jedoch noch lange nicht ist. Hierfür passt die Auswahl von Tom Holland umso mehr da dieser, den Originalcomics näher als bisher, ein wesentlich bubenhafteres Auftreten hat als Tobey McGuire und Andrew Garfield. Das locker flockige Highschool Setting ohne die, vor technischer Raffinesse sprühenden, Labors von Oscorp, geben dem ganzen einen runden Schliff und zeichnen das exzellente Drehbuch aus. So klasse der Film beginnt, wird im zweiten Drittel etwas Zuviel von der Handlung abgewichen und bekommt eine Zähflüssigkeit, die währenddessen die Hoffnung aufkeimen lässt, dass dies nicht den Rest der insgesamt 134 Minuten so weitergeht. Mit einem Super Twist, sowohl handlungstechnisch, als auch in der Zurschaustellung politischer Korrektheit in der Ära Trump, zündet die Handlung wieder die Triebwerke und findet seine Qualität im finalen Drittel wieder. Ein Wermutstropfen in der Darstellung des Peter Parker, ist wohl die komplette Vernachlässigung seiner dunklen Seite, verursacht durch die tragischen Erlebnisse seines Lebens wie z. b. der Tod seines Onkel Ben. Auch wenn die Geschichte mit anderem Ansatz erzählt werden will, sollte trotzdem diese wichtige Seite von Peter Parker, die auch in den früheren Filmen und den Comics eine große Rolle spielte, nicht vergessen werden. Dagegen gut gelungen ist die Mischung der eigentlichen Prioritäten von „Homecoming“ und der Präsenz der „Avengers“, welche zwar offensichtlich vorhanden und Superhelden wie auch Aliens bei der zivilen Bevölkerung schon so normal wie ein Schwarm Wespen sind, jedoch kaum gezeigt werden. Auch Tony Starks Auftritte sind gut portioniert und getimt. Wer sich also überlegt, den ersten Soloauftritt vom neuen „Spidey“ im Kino anzusehen, wird ganz sicher nicht enttäuscht. Ein Tipp – das 3D ist zwar gut, doch nicht zwingend notwendig. Wer es nicht unbedingt haben will, kann sich ohne Qualitätsverlust des Films getrost auch in 2D einspinnen lassen.

Fazit:

Erfrischendes Superheldenspektakel aus dem Marvel Cinematic Universe, welches zwar in Sachen Spannung und Tiefgang noch Luft nach oben lässt, mit einem guten Drehbuch, einem schön abgestimmten Soundtrack und einem hochmotivierten Schauspielerteam punkten kann und den Appetit auf das noch kommende Geschehen um die „Avengers“ wieder neu anheizt.

23. Jun, 2017

Bildmaterial: © Paramount Pictures

5 / 10 Punkten

Die Schauspieler:

Hauptdarsteller Mark Wahlberg kehrt wieder in seine Rolle des Autobot Freunds Cade Yeager zurück und kann sich etwas besser als in Teil 4 integrieren, wobei er nach wie vor falsch besetzt wirkt. Wahlberg muss richtig eingesetzt sein um seine Stärken auszuspielen und dies ist in der „Transformers“ Reihe nach wie vor nicht der Fall. Die weibliche Hauptrolle Laura Haddock entpuppt sich in ihrer Rolle der Viviane Wembley als mimischer Rohrkrepierer. Sogar noch Megan Fox, die bekanntlich nur wegen ihrer optischen Qualitäten die First Lady der ersten beiden Filme war, versprühte noch mehr Charisma als Haddock. Ein Urgestein des Franchise, Josh Duhamel in der Rolle des Colonel William Lennox, ist einer der Charaktere die, zumindest etwas, die humanoide Action noch glaubhaft am Leben erhalten. Ein witziger Einfall war, Stanley Tucci, den Darsteller des schon im vierten Teil vorkommenden Joshua Joyce, auch die Rolle des Zauberers Merlin spielen zu lassen. Hat zwar keinen langen, aber zumindest unterhaltsamen Einsatz. Isabela Moner spielt die Izabella, eine neue Freundin von Cade Yeager. Diese wird aber, ob ihrer eigentlich ganz souveränen Leistung, zum wenig sichtbaren Sidekick abkommandiert und fällt über große Strecken überhaupt aus der Handlung. Aus mimischer Sicht, ist es wieder einmal Anthony Hopkins, der zumindest einen Hauch von professioneller Arbeit in den Streifen bringt. Zwar kann Hopkins natürlich, aufgrund eines schlecht gestalteten Drehbuchs, auch nicht alles richten, bleibt aber ganz sicher der darstellerisch qualitativste Faktor im Ensemble.

Der Film:

Für jeden der geglaubt hat, es geht nicht noch größer und er habe schon alles gesehen, kann sich in „Transformers – The Last Knight“ eines besseren belehren lassen. Die Kinobesucher die zum harten Kern der Fans gehören, das Hauptaugenmerk auf besagten „größer und lauter“-Qualitäten richten und sich von Teil 4 unterhalten gefühlt haben, sollten auch am fünften Teil der Reihe ihren Spaß finden. Regisseur Michael Bay fährt hier wieder alles an Special Effects auf, was sich in seiner Trickkiste befindet und schafft einen mit IMAX Kameras gedrehten und auf IMAX Kinos zugeschnittenen Sci Fi Blockbuster mit optisch und tontechnisch guten Schau-und Hörwerten. Leider ist dies aber auch schon alles mit dem man jemandem diesen Film noch schmackhaft machen kann. Hauptaugenmerk lag beim Produktionsteam offensichtlich wieder auf der materialverheizenden Effekteschlacht. Dass es für einen guten Blockbuster aber, zumindest ansatzweise, ein brauchbares Drehbuch mit schlüssiger Handlung benötigt, wurde völlig ignoriert. Der Beginn mit der Erzählung rund um Artus und seine Tafelrunde welche man schon aus den Trailern kannte, ist noch ganz cool und eigentlich auch noch das beste an der Geschichte, denn darin wäre das größte Potential versteckt gewesen. Anstatt mit portionierten Schlucken eine gut gesponnene Handlung um diese Idee zu entwickeln, fahren die Autoren Art Marcum, Matt Holloway und Ken Nolan hier eine verwirrende Aneinanderreihung von Ideen auf, die den Eindruck entstehen lassen, es habe jeder sein eigenes Drehbuch entworfen und es erst 1 Tag vor Abgabetermin zu einem ganzen vereint. Herausgekommen sind 150 mit schlechten Dialogen (die schon in Teil 4 eine der größten Schwäche waren) beladene Minuten, die bis auf kleine Lichtblicke, welche meist mit Anthony Hopkins in Verbindung stehen, an Stupidität nicht mehr zu unterbieten sind. Als hätten sich die Herren gefragt, was können wir noch reinpacken…machen wir….was noch, was noch, was noch? Hat`s alles in den Film geschafft und wenn sich der Ablauf so dermaßen verfranzt, dass es keinen Ausweg zu geben scheint, wird eine billige Erklärung gefunden um dann munter weiter zu dümpeln. Wer sich schon wie ich gefragt hat, warum schon seit der ersten Fortsetzung Roboter auftauchen die so dermaßen humanisiert sind um sogar mechanische Barthaare zu tragen, wird hier noch eines draufgeboten bekommen, wenn die Haare der Schöpferin von Cybertron anmuten als wäre hier Davy Jones am Werk. Von der noch ganz ordentlichen Handlung des ersten Teils hat sich „Transformers 5“ schon sehr weit entfernt um nicht zu sagen, diese wurde völlig zunichte gemacht, da es vor lauter Logik und Anschlussfehlern kaum mehr möglich ist, irgendeine schlüssige Verknüpfung herzustellen. Insgesamt kommt das Gefühl auf, man befände sich in einer Kooperationswelt zwischen „Transformers“, „Star Wars“ (offensichtliche Anleihen), „Independence Day - Wiederkehr“ und dem „Vermächtnis der Tempelritter“. Ähnlich wie im zuvor genannten „Independence Day“ fällt hier auch der, nicht visualisierte, jedoch ganz sicher vorhandene hohe Bodycount auf. Im bekannten US-patriotischen Stil von Michael Bay wird ein sauberer Krieg suggeriert, der zwar jede Menge Opfer unter den Bösen fordert, aber durch amerikanische Heldentaten die (zumindest sichtbaren) zivilen Opfer auf ein Minimum beschränkt – soll ja auch FSK 12 bleiben. Es darf „gespannt“ gewartet werden, ob sich die Geschichte der gesamten Menschheit im sechsten Teil ein weiteres Mal kurios verändert und welches uralte Artefakt noch aus dem Hut gezaubert werden könnte, oder ob sich das Franchise nun doch endgültig aus den Kinosälen „transformiert“.

Fazit:

Bild und tontechnisch wieder einwandfreie aber seelenlose und nur für harte Fans taugliche Effekteschlacht ala Michael Bay, die sich zwar in Qualität und CGI Overkill im Vergleich zum schwachen vierten Teil gebessert hat, sich aber immer noch mit den gleichen platten Sprüchen, nicht zündenden Gags und einem vollkommen absurden Drehbuch selbst ins Aus schießt.