1. Feb, 2016

Creed

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Die Schauspieler:


In diesem Fall ist eine Schauspielerbewertung nicht ganz so umfangreich, da es nicht sehr viele handlungstragende Charaktere gibt. Bevor ich zum eigentlichen Urgestein komme, ein paar Worte zum Hauptdarsteller Michael B. Jordan, dessen Figur Adonis Johnson den großen Namen „Creed“ weitertragen darf. In Summe macht Jordan bei seiner Darbietung als Sohn von Apollo eine, um hier ein Wortspiel einzubauen, gute „Figur“. Physisch in absoluter Topform und schauspielerisch im guten Mittelfeld, will man ihm zu Anfang aber den Prügler und kommenden Philli-Fighter nicht ganz abnehmen. Im Verlauf des Films, hatte ich aber das Gefühl er findet immer mehr in seine Rolle und zu dem verkörperten Charakter.
Zu Sylvester Stallone – altbewährt und einfach Rocky. Die Figur mit der viele von uns aufgewachsen sind und sich in einigen Facetten vielleicht sogar identifizieren können, spielt Stallone unverändert gut. Nur verlegt er sich in diesem siebten Teil (welcher es per Definition eigentlich nicht ist da hier vom Franchise abgewichen und ein anderer Charakter erzählt wird) auf die Darstellung eines alten Mannes, der vom Leben gezeichnet ist und schon beinah seinen Mut verloren hat. Was sehr gut gelingt, denn den altbewährten Charme dieses Charakters zaubert Stallone auch hier wieder gekonnt auf die Leinwand. Als leicht schrulliger Opa mit immer der passenden Lebensweisheit zur Hand, läuft er auch hier wieder, trotz des Daseins als Nebendarsteller, seinen jüngeren Kollegen den Rang ab.

Der Film:


Das Wunderbare an diesem Film ist, das man sehr viele Bilder, Orte, Gebäude und sogar Straßenecken, welche der Altgediente Rocky Fan seit nunmehr 40 Jahren kennt, zu sehen waren und auch in die Handlung integriert wurden. Allem voran für mich - „Mighty Mick`s“ Gym, in dem Balboa seinen boxerischen Ursprung hatte. Ebenfalls eine gelungene Mischung stellt dar, das, obwohl hier musiktechnisch nicht auf den Altmeister Bill Conti gesetzt wurde (hier verantwortlich der Schwede Ludwig Göransson), es trotzdem auch die Klassiker der damaligen Filme zu hören gab, die sich stiltechnisch einzigartig mit dem zeitgenössischen Soundtrack Göranssons vermischen. Es sollte zwar offiziell der Beginn von etwas Neuem sein, da hier der Name Creed im Vordergrund steht, jedoch ist, sobald Rocky am Schirm erscheint, wieder klar wer die eigentlich dominate Figur im Film ist. Scheint doch die Geschichte um Adonis Creed, dem unehelichen Sohn von Apollo, relativ mager. Die bisherigen Figuren im Rocky Universum, waren andere Kaliber (Apollo, Pauly, Mickey, Adrian usw.) was sich auch in der Zeichnung ihres Charakters niederschlug. Adonis jedoch erfährt in der Darstellung seines Charakters einen, für Rocky Maßstäbe, „schnellen Vorlauf“. Gerade noch in der Jugendbesserungsanstalt, dann seine weiteren Jahre (aufgrund des Namen Creed) in weichen Betten schlafend, auf Privatschulen untergebracht und mit schnellen Autos unterwegs. Nicht zuletzt wegen des Genusses dieser Vorzüge, will man ihm nicht so recht glauben, den Namen Creed unbedingt verleugnen zu wollen und deswegen den Namen seiner leiblichen Mutter trägt. Anders als die Geschichte um Balboa, die sich, zwar auch aufgrund eines Zufalls, ähnlich, aber deutlich langsamer und geschickter aufgebaut entwickelt. Der Zuseher hat im Verlauf des Films immer mehr das Gefühl das dies keine Fortsetzung, sondern ein Reboot darstellen soll, da sehr viele Parallelen zum ersten Rocky zu finden sind. Für mich hatte es stark den Eindruck, als wären hier 2 Mächte am Werk. Zum einen Regisseur Ryan Coogler, der versucht einen jungen, dem Zeitgeist entsprechenden aber dennoch klassischen Boxerfilm zu kreieren. Zum anderen Sylvester Stallone, der hier zwar weder an der Regie noch am Drehbuch beteiligt war, es aber dennoch geschafft hat dem Film seinen Stempel aufzudrücken. Etwas das, nach meinem Geschmack, hier nicht unbedingt gut gelungen ist, war das Erschaffen eines „unbezwingbaren“ Gegenspielers. Hatte der Zuschauer in den Rocky Filmen immer und immer wieder schon beinahe Mitleid mit Balboa, wenn sich dieser seinen (gezielt) überzeichneten Gegnern wie Apollo Creed, Clubber Lang und Ivan Drago stellen musste, ist hier ein Pretty Ricky Conlan (gespielt vom ehemaligen Box Champion Tony Bellew) eine eher magere Darbietung beim „Schlussfight“. Es wird zwar, wie beim ersten Kampf von Rocky und Apollo, über die volle Distanz gekämpft, jedoch kommt nie das Gefühl der „Schlacht im Ring“ auf, die wir mit Rocky so viel Male erleben durften.

Fazit:


Durchwegs gelungenes Boxer Drama mit einem guten Michel B. Jordan und einem überaus charmanten Sylvester „Rocky“ Stallone, das wunderbar unterhält, manchmal rührt, zwar eher nicht das Zeug zur „Legende“ hat, aber uns mit der Gewissheit aus dem Kino entlässt, das Rocky`s Vermächtnis weiter bestehen bleibt.