8. Jul, 2016

Independence Day - Wiederkehr

Bildmaterial:© 2016 Twentieth Century Fox

7 / 10 Punkten


Die Schauspieler:


Altbekannte Gesichter treffen auf neu eingeführte Helden. Allen voran hier der unvergleichliche Jeff Goldblum, in seiner Rolle als genialer Wissenschaftler David Levinson. Goldblum trumpft in gewohnt genialer Form mit trockenem Humor auf und bringt seinen Text noch immer an das Publikum als wenn – wie es schon in den 90ern von Steven Spielberg formuliert wurde – er sich die Sätze während des Films aus dem Stehgreif ausdenken würde. Einziger Wermutstropfen an dem Charakter ist, dass die geniale Synchronstimme Goldblums ausgetauscht wurde. Ein ebenfalls bekanntes Gesicht mimt der stark gealterte Bill Pullman als Ex Präsident Thomas Whitmore. Auch wenn Pullman seit jeher doch etwas wortkarg daher kommt, spielt er seine Rolle ohne uns auch nur eine Sekunde an ihm zweifeln zu lassen und wir befinden uns sofort wieder im Jahr 1996, als er uns eine der bekanntesten Ansprachen der Filmwelt lieferte. Einer der wichtigsten Neuzugänge ist definitiv  Liam Hemsworth als Kampfpilot der neu gebildeten Staffel aus Alienjägern. Hemsworth ist ohne Zweifel ein charmanter Darsteller dem in seinen Filmen sowohl die Frauenherzen, als auch die Sympathien der männlichen Zuseher  in den Schoß fallen. Er macht seine Sache gut, übernimmt aber offensichtlich den Part von Will Smith als Steven Hiller, mit einer Mischung aus Komik und Coolness. Diese Fußstapfen sind ihm dann aber doch zumindest eine halbe Nummer zu groß. Völlig deplatziert wirkt Jessie Usher als Kampfpilot Dylan-Dubrow Hiller, dem Sohn des damaligen Captain Stephen Hiller. Mit viel zu wenig Text ausgestattet, und mit einem nicht gerade mitreißenden Schauspiel, läuft Usher an der Seite von Hemsworth durch den Film und ist eigentlich insgesamt relativ ersetzbar. Zwei der Charaktere von 1996 sind allerdings wieder ein Genuss und halten den Kinobesucher bei Laune. Judd Hirsch als Julius Levinson und Brent Spiner als Dr. Brakish Okun. Beide spielen ihre schauspielerischen Qualitäten wieder voll aus. Während wir Spiner zusehen wie er als etwas verrückter, doch genialer Wissenschaftler Okun  gleichzeitig für Lacher sorgt und von Physik spricht, nimmt einem der trockene Humor und die Raubeinigkeit von Hirsch ebenfalls wieder mit auf die Reise ins Jahr 1996. Noch zu erwähnen ist der tolle Schauspieler William Fichtner, der hier die Rolle des General Adams übernimmt und in einer ähnlichen Rolle wie seinerzeit in Armageddon brilliert.

 

Der Film:


Alter Inhalt –in neuer und seeehr viel größerer Verpackung. Roland Emmerich kredenzt uns hier mit seiner gewohnt zerstörerischen und weltumspannenden Handschrift, einen Sci-Fi Kracher der (optischen) Extraklasse.  Wer vor 20 Jahren geglaubt hat, es geht kaum größer und man kann nicht  noch mehr kaputt machen, wird hier eines besseren belehrt. Wie es aber so ist, gibt es selten eine Fortsetzung die an den Vorgänger anknüpfen kann ohne ein bisschen einstecken zu müssen. Noch dazu wenn es sich um einen Kultklassiker wie „Independence Day“ handelt. Inhaltlich wird ganz gut erklärt, was sich seit dem Krieg von 1996 ereignet hat – inklusive dem Ableben des damaligen Helden Captain Steven Hiller. Ob es nicht eine bessere Möglichkeit gegeben hätte den Liebling des ersten Films – Will Smith – aus der Handlung zu schreiben, als ihn bei einem Unfall sterben zu lassen und ein Bild von ihm ins weiße Haus zu hängen, sei dahin gestellt. Das Drehbuch des schon damals beauftragten Dean Devlin, hatte zwar 20 Jahre Zeit zu reifen, weist aber dennoch Logiklücken auf, in denen ein ganzes Raumschiff verschwinden könnte. Über das immer im Vordergrund stehende wehen der US Flagge, das amerikanisch dominierte Kohlen aus dem Feuer holen und eine Alien Rasse, die sich 20 Jahre Zeit lässt und just wieder am 4. Juli angreift, muss (wer`s kann) hinweg gesehen werden – derartiges kennt man ja schon. Auch die Darstellung der eigentlich brutalen, exzessiven Gewalt, mit der die Aliens erneut auf die Erde losgelassen werden, kommt in sehr viel Watte verpackt daher. Bekam man 1996 noch einige Dramen zu sehen, die sich im Verlauf des Angriffs am Boden abspielten, wirkt die erneute Zerstörungsorgie beinahe wie der, speziell von den Westmächten ganz gern dargestellte „saubere Krieg“. Der Zuseher kann es zwar natürlich erahnen dass im Verlauf des Überfalls auf die Erde Milliarden von Menschen ums Leben kommen, doch verlegt sich Emmerich hier eher auf die gewaltentschärfende und bildgewaltige Vogelperspektive. Dies ist zwar wundervoll mit anzusehen und erfreulich, dass die 200 Millionen Dollar Budget zielführend investiert wurden, jedoch fehlt es dem Projekt an Herz und es entsteht insgesamt nicht die Verbundenheit mit der Menschheit wie es 1996 der Fall war. Die Auswahl der Schauspieler gelingt insgesamt, bis auf den schon vorhin beschriebenen Jessie Usher, recht gut. Es wird, unterstützt von den Helden der Vergangenheit, eine junge Gemeinschaft gebildet, mit dem Ziel den (ganz sicher) kommenden dritten Teil in die Wege zu leiten. Doch scheint es sicher, dass das Herz der Zuseher noch immer den Darstellern von damals gehört und es schwer sein wird die gesetzten Charaktere aus der Verbindung zu „Independence Day“ auszuschleichen. Großes Kino bekommen wir hier definitiv geliefert, aber ob diese Fortsetzung das Potential hat, ein solcher Kultfilm zu werden wie der erste Teil, liegt wohl wie immer im Auge des einzelnen Betrachters.

 

Fazit:


Bildgewaltiger Science Fiction Blockbuster der mit atemberaubenden Effekten, sehr guten Ideen zur Technik dieser alternativen Realität, riesengroßem „Uncle Sam“ Patriotismus und etwas zu wenig Herz daherkommt, uns aber genau das liefert was wir für einen unterhaltsamen Popcorn Kinoabend (wenn möglich im IMAX Format) haben und sehen wollen.