21. Jul, 2016

Star Trek - Beyond

Bildmaterial: © 2016 Paramount Pictures

8,5 / 10 Punkten

Die Schauspieler:

Waren zu Anfang der neuen Star Trek Filmreihe die große Fanbase mit dem Cast noch nicht ganz zufrieden, finden meiner Meinung nach die Darsteller nun immer mehr in ihre Rollen. Augenscheinlich werden hierfür doch – jeder auf seine eigene Art und Weise – die großen Namen der Originalreihe als Vorbilder genutzt. Allen voran natürlich Chris Pine in der Rolle des James T. Kirk. Nicht nur in der Art seiner Bewegungen und dem spitzbübischen Grinsen eines William Shatner, sondern insgesamt geht die Darstellung Pines immer exakter in die Richtung des uns nun seit 50 Jahren bekannten, draufgängerischen Sternenflotten Rebellen. Pine spielt die Rolle sehr gut, verleiht ihr aber trotzdem noch den etwas unerfahrenen Charme, welcher ihn noch greifbarer werden lässt. Karl Urban als der medizinische Ruhepol Dr. Leonard „Pille“ McCoy, dürfte nun endgültig den Eomer aus den Herr der Ringe Filmen abgelegt haben und spielt den wortgewitzten und etwas schandmäuligen Schiffsarzt ebenfalls überzeugend. Auch optisch (wenn man sich den originalen „Pille“ ein paar Jahrzehnte jünger vorstellt) kommt er schon ziemlich in die Richtung, die man als gesetzter „Trekkie“ vor Augen hat. Die Schauspieler Zoe Saldana als Lt. Uhura, Anton Yelchin als Pavel Chekov und John Cho als Hikaru Sulu machen ihren alten Vorgängern alle Ehre. Zaldana verleiht der Uhura eine noch martialischere Note, Cho lässt den routiniert agierenden Sulu sehr gut mit dem Rest der Crew verschmelzen und auch der leider viel zu früh verstorbene Anton Yelchin lässt eine stimmig lustige und charmante Chemie zwischen Charakteren entstehen. Noch hervor zu heben ist auf jeden Fall der geniale Simon Pegg, der hier nicht nur als der brillante Techniker Montgomery Scott zu sehen ist, sondern auch als Drehbuchautor fungierte. Am laufenden Band kalauert sich Pegg durch die Handlung, bleibt aber dennoch glaubhaft dem ideenreichen und originalen Bild von „Scotty“ treu. Eine der wichtigsten Figuren und leider der, mit dem ich noch am wenigsten anfangen kann, ist der erste Offizier Spock – gespielt von Zachary Quinto. Dieser versucht zwar, das Pokerface des Vulkaniers aufrecht zu erhalten, jedoch wirkt er insgesamt immer noch viel zu humanoid. Einen erfrischenden Neuzugang stellt die Außerirdische Jaylah – gespielt von Sophia Boutella – dar. Physisch in kampfkräftiger Topform und mit teilweise (vielleicht) ungewollter Komik, peppt sie so manche Szene auf und fügt sich gut in den Rest des Casts. Idris Elba als der eigentliche Antagonist des Films- Krall – wirkt hölzern wie ein Klingone, wird über den Großteil des Films ohnehin nicht erkannt und hinkt in Präsenz und Diabolik schon relativ weit hinter dem Bösewicht aus „Into Darkness“ – dem großartigen Benedict Cumberbatch – hinterher.

 

Der Film:

Es wird sich zeigen ob sich die Trekkies, welche von Anfang an nicht geraden euphorisch hinter den neuen Star Trek Projekten standen, sich diesmal wohler mit dem Style von „Beyond“ fühlen. Nostalgische Anspielungen noch und nöcher, die explizit auf die Zielgruppe der eingefleischten Star Trek Fanbase abgestimmt ist, paaren sich mit allem was die moderne Kinotechnik derzeit zu bieten hat. Produzent J. J. Abrams übergab hier das Zepter an „Fast and Furious“ Regisseur Justin Lin, der insgesamt zwar nicht dafür bekannt ist, in seinen Filmen wahnsinnige Charakterzeichnungen darzustellen, jedoch aber die 150 Millionen Dollar sehr wohl zu nutzen wusste. Beginnt der Film doch in altbekanntem und ruhigem Style mit einem monologischen Logbuch Eintrag von Captain Kirk, der einen sehr menschlichen Eindruck vermittelt und auch zeigt, dass bei einer mehrjährigen Raumreise nicht immer alles Eitel Wonne ist,  steigert sich dann aber sehr schnell in ein atemberaubendes Tempo, das über weite Strecken des Films aufrecht erhalten bleibt. Während wir mit gefühlten Worp 10 durch die Handlung getrieben werden, bekommt der Zuseher einiges an Star Trek Nostalgie zu sehen und gipfelt sich in einer gewaltigen Raumschlacht, untermalt mit brachialen Bässen der Beasty Boys. Pappmascheeartige Felsen und Kulissen, bei denen man das Gefühl bekommt, es kommt gleich zum Kampf zwischen William Shattner und dem Gorm, treffen auf perfekte CGI Effekte und schön choreographierten Stunts die sehr wahrscheinlich auf das Konto der Actionverliebtheit von Justin Lin gehen. Verbrennungsmotorisierte Motocross Maschinen für waghalsige Fahrten über fremde Planeten wirken zwar für Star Trek etwas befremdlich, tun aber dem Spaß beim Zusehen keinen Abbruch. Der Streifen lässt kaum zwischenzeitlich entstehende Längen zu, da das von Simon Pegg mitgeschriebene Drehbuch immer wieder entweder einen Kalauer einbaut, der die Kinobesucher zum schmunzeln bringt, oder nach einer kurzen Ruhephase gleich wieder das Tempo erhöht. Insgesamt wirkt der mittlerweile 13. Star Trek Kinofilm wie eine sehr teure, schön anzuschauende und in schöner Originalmanier dargestellte Episode der Serie vor 50 Jahren – jedoch eben mit einer Länge von über 2 Stunden. Worunter die Story vielleicht etwas zu leiden hat, ist das nicht wirklich erklärte Motiv des Bösewichts Krall. In den  letzten paar Minuten wird der Schleier über dem Charakter zwar etwas gelüftet, jedoch nicht ganz ausreichend und doch etwas billig gelöst. Sehr zugute kommt dem Franchise im neuen Stil, dass die einzelnen Figuren ein doch sehr merkbares Upgrade erhalten haben. Die Crewmitglieder Chekov, Uhura, McCoy und Sulu bekommen zusätzlich zur wesentlich erhöhten Screentime, noch einige Fähigkeiten verpasst, die zwar das Tempo des Films unterstützen, dem ein oder anderen Fan der Originalreihe aber vielleicht etwas sauer aufstoßen werden. Denn wenn der Schiffsarzt einen feindlichen Jäger mit peinlicher Präzision und unter Hochgeschwindigkeit lenkt, als hätte er nie etwas anderes getan, könnte dies vielleicht als unangebracht und „too much“ empfunden werden. Am unangebrachtesten ist wohl die Zeichnung von Commander Spock. Zwar ist es sehr erheiternd, den ständigen Kabbeleien zwischen „Pille“ und dem Vulkanier zuzusehen, jedoch werden Charakterzüge an Spock gezeigt, die dem Vulkanier – trotz der menschlichen Mutter – einfach nicht gut stehen. Ohne an dieser Stelle spoilern zu wollen, muss gesagt werden, wenn schon die Beziehung zwischen Spock und Uhura die Spock Jünger auf eine harte Probe stellte, werden diese es, wenn der Pokerface haltende 1. Offizier plötzlich Worte benutzt wie „Hühnerscheiße“, es sehr wahrscheinlich nicht so wertvoll finden.

 

Fazit:

Schön anzuschauendes, mit genialen optischen Effekten ausgestattetes Sci-Fi Spektakel, das zwar von Regisseur Ling mit teilweise einer Prise zuviel Action ausgestattet wurde, jedoch aber mit einer Fülle von Nostalgie, Prügelaction in bester Kirk Manier, einem stimmigen Drehbuch und sogar einem Foto der Originalcrew aufwartet und somit einen guten Mix aus Komik, Action und Bildgewalt entstehen lässt, der auch die jüngeren Zuseher mit auf die Reise in die unendlichen Weiten nehmen sollte.