9. Aug, 2016

Schweinskopf al dente

Bildmaterial:© Constantin Film

8,5/10 Punkten

Die Schauspieler:

Allen voran hier natürlich Hauptdarsteller Sebastian Bezzel, der in der bayrischen Filmwelt und bei den Kinofans mittlerweile einfach nur noch „da Eberhofer“ ist. Wie von selbst verkörpert er nun schon zum 3. mal den Provinzpolizisten aus dem fiktiven Niederkaltenkirchen. Zwar fehlt ihm in der neuesten Rita Falk Verfilmung etwas das genial lakonische, dass ihn bei den Fans so beliebt macht, jedoch ist immer noch genügend vom beziehungsunfähigen, stocksteifen, etwas naiven und leicht mürrischen Franz Eberhofer da, um ihn einfach zu mögen. Der österreichische Vertreter in der Spieltruppe – Simon Schwarz als Privatdetektiv Rudi Birkenberger – spielt seine Rolle ebenfalls wieder mit gefühlter Leichtigkeit. Manchmal kommt schon das Gefühl auf, Schwarz ist auch in der Realität der daueressende und schwarzhumorige Zeitgeselle. Wesentlich mehr Screentime als sonst, bekommen diesmal die Charaktere von Eberhofers dauerkiffendem Vater –  einmal mehr großartig gespielt von Eisi Gulp – und dem schrulligen Dienststellenleiter Moratschek – ebenfalls wieder amüsant dargestellt von Sigi Zimmerschmied. Auch Eberhofers Freundeskreis (Saufkumpane) – Simmerl und Flötzinger – funktioniert abermals mit den Schauspielern Stephan Zinner und Daniel Christensen, auf ihre charmant einfältige Art und Weise großartig. Die einzige im Besetzungsreigen, die etwas das Gefühl vermittelt, schauspielerisch vom Rest der Truppe mitgezogen werden zu müssen, ist Lisa Maria Potthoff in der Rolle der Susi. Kein großes Schauspiel, funktioniert aber dennoch im Ganzen, da sie sich doch schon als Gesicht von Franz Eberhofers Freundin etabliert hat. Besonders hervorzuheben sind zusätzlich noch Eberhofers Oma, die wie immer kein Blatt vor den Mund nimmt – wieder sehr witzig gespielt von der großartigen Enzi Fuchs – und brillant in der Rolle des Pokerface haltenden Psychokillers Dr. Küstner sehen wir hier einen, in Hannibal Lector Manier agierenden, Gregor Bloeb.  Insgesamt läuft das Ensemble inkl. Neuzugängen zu Höchstleistungen auf und weiß gekonnt das Publikum zu unterhalten.

 

Der Film:

Nach „Dampfnudelblues“ und „Winterkartoffelknödel“, serviert uns Regisseur Ed Herzog die schon dritte Verfilmung der Bestseller Krimis von Rita Falk. Mit bayrischem Charme und schwarzem Humor wird es auch diesmal verstanden, durch die Handlung zu führen und einen vergnüglichen Kinoabend zu bescheren. Kam zwar zeitweise das Gefühl auf, dass dem Film etwas der Schwung und der erzählerische Bogen fehlt, die den Dampfnudelblues so erfolgreich machten, leistet sich „Schweinskopf al dente“ dennoch keine Längen und bleibt über die volle Spielzeit unterhaltsam. Die schon sichtbar eingespielte Chemie zwischen den Darstellern, die wieder auf den Punkt sitzende Kameraführung und das abwechselnde in Szene setzen der verschiedenen Charaktere, lassen den Streifen zu der amüsanten Krimikomödie mit lokalkolorit werden, die er sein will. Der merkbare Unterschied zu den Vorgängern liegt nicht zuletzt an der Verlegung des Comedy Schwerpunkts von Eberhofer und Birkenberger, zu Eberhofers Vater und dem Dienststellenleiter Moratschek, die hier eine skurrile und dauerbekiffte Männerfreundschaft verbindet, welche im, erfrischend die Handlung belebenden, Italien Kurzurlaub gipfelt. Die einzigen Mankos die man dem Film zuschreiben könnte, sind zum einen dass, aufgrund dessen das es diesmal nicht nur um Kleinkriminalität und Alkoholdelikte (welche auch ganz gern vom Kommissar selbst begangen werden) sondern um einen gefährlichen Killer geht, sich hier und da etwas mehr Spannung aufbauen könnte und zum anderen, die sich schon sehr nahe am Klamaukgenre bewegende Darstellung der Pointenserie. Nichtsdestotrotz ist die größte Stärke der illustren Dorfgemeinschaft, die Fähigkeit, den Zuseher dazu zu bringen ihnen einfach zusehen zu wollen. Selbst ohne Kriminalfälle oder dergleichen, könnte man weitere 90 Minuten im Kino sitzen bleiben um Eberhofer und seinen Kollegen am Stammtisch oder beim Mittagessen weiter zu begleiten.

 

Fazit:

Kurios skurrile und sehr witzige Krimikomödie voller oberbayrischem Charme und der Leichtigkeit eines Bühnenlustspiels, welche zwar nicht die Hochkunst der Polizeikriminalistik beschreibt, jedoch aber einmal mehr mit genialer Besetzung und schwarzem Humor uns genau das bietet, was einen vergnüglichen und unterhaltsamen Filmeabend ausmacht.