26. Okt, 2016

Dr. Strange

Bildmaterial: © 2016 Marvel

8 / 10 Punkten

Die Schauspieler:

Ein großartiges Ensemble vereint sich hier zu einem perfekten Ganzen. In vorderster Front stehen zwei der charismatischsten Schauspieler überhaupt. Einerseits, der einmal mehr fantastische Benedict Cumberbatch als titelgebenden Dr. Stephen Strange. Cumberbatch erweist sich wieder als actiontauglicher Komödiant und verbindet diese Eigenschaften zu einer sehr unterhaltsamen Mixtur. Auf der gegnerischen Seite finden wir Mads Mikkelsen als den abtrünnig gewordenen Zauberer Kaecilius. Mikkelsens gedämpftes Minenspiel und das etwas hölzerne Gehabe passen hier zwar ganz gut zum, mehr oder weniger, irdischen Gegenspieler von Strange, hätte aber noch sehr viel antipathische Luft nach oben gehabt. Somit bleibt auch weiterhin der von Tom Hiddleston gespielte Loki in „Thor“ der (bisher) beste Marvel Bösewicht. „12 Years a Slave“ Star Chiwetel Ejiofor spielt als Baron Mordo eine der wichtigsten Charaktere rund um die Entstehungsgeschichte von Dr. Strange. Als ein sehr sympathischer Darsteller legt er seinen Mordo um einiges besonnener an als in der Comicvorlage, jedoch lässt dies auch viel Luft für Möglichkeiten in weiterführenden Filmen. Herzerwärmend ist es, Benedict Wong dabei zuzusehen, wie er seine Rolle des Bibliothekars Wong zum besten gibt und entlockt dem Zuseher, gerade wegen seiner Humorlosigkeit das eine oder andere Schmunzeln. Rachel McAdams tut was sie immer tut. Als die Frau in Dr. Stranges Leben gibt sie zum einen die selbstbewusste Ärztin, zum anderen das süße Mädchen als das wir sie kennen. Nicht neu, aber solide. Bei Tilda Swinton als Ancient One – „die Älteste“ - ergibt sich ein Zwiespalt, da Swinton ihre Sache schauspielerisch wie immer exzellent gut macht und durch ihre fühlbare Ruhe und Ausgeglichenheit manchmal an Sensai Splinter oder Meister Shifu denken lässt. Allerdings wirkt es dennoch nicht ganz passend. Aber der glänzenden Darstellung Swintons tut dies keinen Abbruch.

 

Der Film:

Es wird Strange. Der Name ist Programm. Regisseur Scott Derrickson legte sich im neuesten Marvel Abenteuer so richtig ins Zeug und versucht, sich deutlich von den bisherigen Filmen im „MCU“ abzuheben. Dies gelingt zwar phasenweise auch recht gut, jedoch ist die Ziellinie in Richtung Avengers, was die Herangehensweise an die Story betrifft, schon klar erkennbar. Zu Anfang entsteht bei Dr. Strange das Gefühl dies schon einmal gesehen zu haben, da der Beginn sehr an „Batman Begins“ erinnert. Dies verflüchtigt sich aber durch den brillanten Benedict Cumberbatch und die gut platzierte Komik sehr schnell. In immer wiederkehrender perfekter Mischung vereinen sich auflockernder Humor und tiefste Düsternis. Nur in der ein oder anderen Szene hätte vielleicht das erzeugen von Lachern vermieden werden sollen, um dem Stoff nicht seine Ernsthaftigkeit zu entziehen. Optisch ist Dr. Strange ein absoluter Knaller. Die Special Effects Techniker schicken hier alles ins Feld was visuell derzeit auf die große Leinwand gebracht werden kann. In bester gehirnverdrehender Manier, die eventuell noch in Christopher Nolans „Inception“ ähnlich gesehen wurde, wird die Realität gestreckt und Gebäude sowie ganze Städte verändern ihre Struktur wie ein riesengroßer Rubik Würfel. Ebenfalls beeindruckend dargestellt wird der Einsatz von Magie und die Benutzung von allgegenwärtiger Energie durch das Öffnen von Reiseportalen und dem erzeugen von Schutzschilden und Waffen, scheinbar aus dem Nichts. Diese Multidimensionalität und die Portalreisen öffnen weitere große Möglichkeiten im „Marvel Cinematic Universe“ und es kommt das Gefühl auf, alles treibt in die Richtung des „Infinity War“. So genial dargestellt der Film auch ist, so wirkt er leider zuweilen auch etwas zurechtgebogen. Die Dr. Strange Geschichte bietet so allerhand Schräges und kaum Fassbares, das die Einbindung der Magie ins „MCU“ in neue Sphären schrauben hätte können und das vielleicht auch noch tut. Derzeit hält sich jedoch die Adaption des Doktors für die Leinwand an die Vorgaben aus dem Hause Disney und bietet, zwar optisch virtuose, jedoch angepasst leichte Kost. Die Zeichnung der Bösewichte hätte auch noch etwas Überarbeitung gebraucht. Mads Mikkelsen wird hier nicht so verwendet wie es hätte sein können. Klar liegt der Fokus des Films auf der Entstehungsgeschichte von Dr. Strange, jedoch hätte hier mehr vom Charakter des Neurochirurgen Strange gezeigt werden sollen. Schnell wird sein früheres Leben abgehakt und in die Ausbildung eingestiegen, welche dann aber in Summe auch etwas zu kurz kommt und im Schnellvorlauf verrinnt. Einer der schwierigsten Charaktere im Film ist definitiv „die Älteste“. Es wurde hier entgegen der Vorlage ein ziemliches „Whitewashing“ und „Gendering“ betrieben, da laut Comic eher etwas in Form von Mr. Miyagi erwartet werden konnte. Statt des weisen und älteren Asiaten, wird hier Tilda Swinton als die oberste des Ordens von Strange präsentiert. Kann – muss aber nicht. Hier hätte vielleicht doch eher auf eine (wenn schon weiblich) asiatische Darstellerin wie Lucy Liu zurückgegriffen werden sollen. Nicht unerwähnt sollte Dr. Stranges roter Mantel bleiben. Dieser entwickelt sich vom Moment seines Auftauchens zum Schmunzelgarant, der weniger an einen Zaubermantel sondern eher an Alladdins Teppich aus dem Disney Klassiker erinnert.

 

Fazit:

Brillant besetzte, visuelle Bombast-Adaption die mit guten Ideen für die Umsetzung des Dr. Strange Comics aufwartet, bei Drehbuch, Risikobereitschaft der Regie und der Zeichnung der Antagonisten noch Luft nach oben hat, aber durch intelligent platzierten Humor und schöne Bilder über die gesamte Lauflänge des Films großen Spaß macht.