20. Feb, 2017

Wilde Maus

Bildmaterial: © Filmladen

7,5  / 10 Punkten

Die Schauspieler:

Zugpferd in „Wilde Maus“ ist natürlich Josef Hader selbst, der die Hauptrolle des vom Leben gebeutelten Georg spielt. Mit gewohntem Pokerface stützt sich Hader auf seine Kabaretterfahrung und lässt in seinem, wie immer, gekonntem Schauspiel, schwarzhumorige Pointen und aus dem Leben gegriffene Dramatik zu einer köstlich unterhaltsamen Legierung verschmelzen. Seine Film - und auch reale Lebenspartnerin Pia Hierzegger, die schon mehrere Male mit Hader vor der Kamera stand, fügt sich als Georgs Frau Johanna nahtlos ins Geschehen und brilliert in ihrer Rolle auch durch die erkennbare physische Veränderung ihres Rollencharakters, welche sie äußerst glaubhaft umsetzt. Der deutsche Schauspieler Jörg Hartmann spielt die Rolle von Georgs erklärtem Feindbild – dessen Chef Waller. Mit charmantem Auftreten und sonorer Stimmlage erschafft Hartmann einen Charakter dem man, trotz des Auftretens als eigentlicher Antagonist, nicht böse sein kann und wirkt wie ein mimischer Ruhepol. Frischgebackener Berlinale Preisträger Georg Friedrich überzeugt als Georgs ehemaliger Schulkollege und jetzigem Freund Erich. Friedrich lässt in Mimik und Spielstil Erich`s bisher nicht einfaches Leben, sowie dessen leichte Einfältigkeit einfließen und gibt so dem klischeehaften Praterproll ein Gesicht, als hätte er nie etwas anderes gemacht als die wilde Maus zu bedienen. Denis Moschitto kann in seiner Rolle des Sebastian, ein homosexueller Therapiepatient von Johanna, schon beinah als „süß“ bezeichnet werden. Eigentlich als der solide unterhaltsame Sidekick auftretend, trägt sein Charakter dennoch zu einem Twist im Film bei, der einen Handlungsbogen schließt, bei dem Moschitto sein Schauspiel noch untermauern kann und die Zuseher zum schmunzeln bringt.

 

Der Film:

Hader tut was Hader kann. Das bringt es auf den Punkt. Gekonnt setzt er als Drehbuchautor, Hauptdarsteller und in diesem Fall auch zum ersten Mal Regisseur, auf die wahren Stärken des österreichischen Films. Schwarzer Humor vom feinsten und eine etwas satirische Erzählstruktur wird uns in „Wilde Maus“ serviert. Hader konzentriert sich in seinem Buch, an dem er drei Jahre lang geschrieben hat, auf Themen wie sie wohl jeder kennt und somit auch mit dem wahren Leben assoziiert werden können. Der Umbruch mehrerer Leben, die bis zu einem gewissen Punkt in ihrem Mikrokosmos verweilten und sich in der Sicherheit eines geregelten Lebens einigelten, werden jäh aus ihrer Blase gerissen und müssen sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit ihrer Existenz stellen. Gerade Hauptprotagonist Hader als Georg stürzt sich mit einer wunderbaren Inbrunst in seine plötzliche Midlife Crisis und harmoniert, in seinen ungewollten Bemühungen die Beziehung zu seiner Frau Johanna zu terminieren, unglaublich gut mit seiner realen Partnerin Pia Hierzegger. Auch die im Alter eventuell beeinträchtigte männliche Potenz und die Auswirkung äußerer Umstände auf diese, wird mehrfach im  Schlagabtausch zwischen Johanna und Georg behandelt, was wahrscheinlich auch wunderbar als Bühnenprogramm funktionieren würde. Insgesamt lebt „wilde Maus“ von seinen hervorragenden Darstellern und der herrschenden Chemie im Ensemble. Haders Regiedebut erweist sich als äußerst durchdacht, in Erzählstruktur und Charakterzeichnung gibt es aber noch erkennbare Defizite. Diese werden aber oftmals kompensiert, durch so mache schwarze Pointe von Georg, der sich mit den Gesetzen der Physik konfrontiert sieht und erkennt, dass jede Aktion eine vergleichbare Reaktion nach sich zieht. „Wilde Maus“ beinhaltet die sich durch den ganzen Film ziehende schöne Message dass, egal was auch kommen mag, die zwischenmenschliche Kommunikation immer noch das Herzstück unseres Seins darstellt. Auf wunderbar satirische Art und Weise führt uns Hader vor Augen in welche Richtung sich Menschen bewegen, wenn dementsprechende Kommunikation nicht praktiziert wird und dass sich manchmal ein paar einfache Worte, zur Klärung eines ach so großen Problems positiv auswirken könnten. Auch einen Seitenhieb auf die wachsende Präsenz von Schusswaffen in Privathaushalten und die Leichtigkeit diese zu erhalten, wird in die Geschichte auf komische Art und Weise eingebaut. Hervorgehoben sollte auch noch die gut platzierte Musikuntermalung des Films sein. Gezielt werden nicht, wie andernorts, leicht verdauliche Musikstücke, sondern die Situation anfachende und Unruhe stiftende, klassische Melodien benutzt, welche die hervorragende Kameraarbeit von Andreas Thalhammer und Xiaosu Han in ihrer Wirkung sehr gut unterstützt. Inhaltlich gibt es noch genug Raum nach oben, wobei es wohl Geschmackssache ist, dass manches im Raum stehen - und der Fantasie überlassen bleibt. Ist die Geschichte um den Rachefeldzug gegen den dienstlichen Vorgesetzten ja nicht neu, entwickelt sich aber im Lauf des Films zu einem nicht von Hollywood überwürzten „Kill the Boss“ mit Lokalkolorit und „Wiener Schmäh“. 

 

Fazit:

Josef Haders Regie Erstlingswerk erweist sich als pechschwarze, durchwegs amüsante und sich mit so manchem Gesellschaftsproblem des Durchschnittsbürgers beschäftigende satirische Komödie, die zwar inhaltlich nicht viel Neues bietet und auch in der einzelnen Charakterzeichnung noch tiefer gehen könnte, jedoch aber alles bietet was den österreichischen Film wie man ihn kennt und liebt auszeichnet und mit einem hervorragenden Darstellerensemble einen unterhaltsamen „Heimatfilmabend“ garantiert.