13. Okt, 2017

ES

7,5 / 10 Punkten

Bildmaterial: © 2016 Warner Bros. Ent.

Die Schauspieler:

Die Besetzung ist bei einer Verfilmung eines solchen Romans wie „ES“ ganz sicher eine der schwierigsten Aufgaben, welche es zu meistern galt. Stellen doch  gerade erst die verschiedenen Charaktere des Clubs der Verlierer, der sich dem Bösen in Derry entgegenstellt,  das Fundament dar, das diesen Kampf überhaupt erst möglich macht. Der Anführer der Truppe – Bill Denbrough – wird dargestellt von Jaeden Lieberher und kann sich zwar mit dem Charisma des 1990er Jonathan Brandis nicht ganz messen, macht seine Sache aber dennoch exzellent. Richie Tozier wird gespielt von Finn Wolfhard, der schon in der „King-ähnlichen“ Serie „Stranger Things“ Horrorerfahrung sammeln konnte und die locker flockige Art der Figur des Richie, der in noch so düsteren Situationen zu einem Scherz aufgelegt ist, ebenfalls gut anlegt. Jeremy Ray Taylor spielt den übergewichtigen Ben Hanscom und blüht im Lauf des Films geradezu in seiner Rolle auf. Gerade in dessen Fall war dies sicher keine leichte Aufgabe, da er als Mitglied im Club der Verlierer wohl eine der sichtbarsten Charakterfestigungen durchlebt. Die beiden Wyatt Oleff und Chosen Jacobs als Stan Uris und Mike Hanlon, machen ihre Sache zwar ebenfalls gut, bekommen aber, im Gegensatz zur Handlung des Buches, relativ wenig Aufgaben zugeteilt. Die wohl zwei besten im Club sind Jack Dylan Grazer als der kränkliche und unter der Fuchtel seiner Mutter stehende Eddie Kaspbrak, sowie die unglaublich charismatische Sophia Lillis als das einzige Mädchen der Truppe Beverly Marsh. Selten kann einer Kinderdarstellerin mit einer dermaßen starken Leinwandpräsenz zugesehen werden. Die aber am meisten im Vorfeld diskutierte Figur war wohl die des ES / Pennywise. Diese Aufgabe fiel dem schwedischen Schauspieler Bill Skarsgard zu, welcher diese mit Bravour besteht. Aufgepeppt mit Hasenzahnprothese schafft er es, der Diabolik eines 1990er Tim Curry Paroli zu bieten. Skarsgard ist gleichermaßen präsent wie gruselig und verleiht dem Bösen ein Gesicht, bei dem wohl niemand vor der Gänsehaut sicher ist.

Der Film:

Riesig war er, der Brocken den sich der argentinische Regisseur Andres Muschietti auf seine Schultern geladen hat. Eines der wohl beliebtesten und gleichzeitig längsten Bücher von Horrormeister Stephen King erneut zu verfilmen, verlangte viel Fingerspitzengefühl und Kreativität. In vielen Punkten hat sich in der 2017er Film näher am Buch orientiert, als es die 90er TV Fassung getan hat und avanciert zu einer der besten Stephen King Verfilmungen überhaupt. Mit einem verhältnismäßig geringem Budget von 35 Millionen Dollar das zu erschaffen, was uns Muschietti hier im Kino präsentiert ist beeindruckend. Fein eingesetzte CGI Effekte, die in der ein oder anderen Szene (mal gewollt, mal ungewollt) etwas billig wirken, überlagern nicht wie in anderen Filmen die Seele des Films, sondern unterstützen diese gekonnt und verleihen „ES“ ein frisches Bild. Die Idee, die im Buch und der Altfassung parallel erzählten Zeitlinien, auf zwei Filme mit zuerst Kindern und dann Erwachsenen aufzuteilen, stieß bei der großen Fangemeinde zuerst auf gemischte Gefühle. Dieser Ablauf funktioniert jedoch äußerst gut und erhält eine gewisse Struktur, die den Zusehern, welche das Buch nicht gelesen haben, einen leicht verständlichen, den Handlungsfluss nicht störenden, Ablauf. Aus dieser Idee der zwei Zeitlinien, entsteht auch eine der größten Stärken des Films – das Zusammenspiel zwischen den Mitgliedern im Club der Verlierer. Hätten vielleicht zwei parallele Erzählstränge dazu geführt, die starke und wichtige Bindung zwischen den sieben Kindern nicht moderat visualisieren zu können, bot die größere Screentime den Schauspielern des Clubs mehr Raum zur Entfaltung, woraus eine einzigartige Chemie entstand – nicht zuletzt aufgrund der großartigen Sophia Lillis im Zenit. Die einzelnen Charakterzeichnungen und die Darstellung, warum jeder der Mitglieder für sich ein „Verlierer“ ist, bleiben dagegen etwas auf der Strecke und man entlässt die Kinobesucher um eine gefühlte halbe Stunde zu früh aus dem Saal. Was absolut auf der negativen Seite zu erfassen wäre ist, dass Regisseur Muschietti der Figur des Mike Hanlon kaum Aufgaben und Text zukommen lässt. Schauspieler Chosen Jacobs wird zum Mitläufer, der seine eigentlich wichtigen Aufgaben aus der Originalhandlung - die ihn im Club unersetzlich machen und die Stärke der Gemeinschaft eigentlich unterstreichen sollten - an den dicklichen Ben Hanscom abtreten musste. Dies entzieht ihm unweigerlich seine Legitimation im Kampf gegen das Böse und deklassiert ihn zum herkömmlichen „Quotenschwarzen“. Die Umsetzung des feinen Drehbuchs, an dem der ursprüngliche Regisseur Cary Fukunaga mitwirkte, gelang weitgehend exzellent. Die perfide, spannend und gruselig aufgebauten Situationen, gipfeln gelegentlich in einem zu großen „Bums“, der manchmal zu vorhersehbar kommt und nur einige Situationen zulässt, in denen die Jump Scares richtig zünden – dann aber richtig! Somit sei dieser Film, der aufgrund seiner Kernhandlung ruhig noch furchterregender hätte sein können, jedem ans Herz gelegt um sich gruseln zu lassen und um dann mit Spannung auf Teil 2 zu warten wenn es dann 2019 wieder heißt: „Wir fliegen alle hier unten….“

Fazit:

Sehr fein aufgebauter Horrorfilm, der etwas zu kurz geraten ist, bei dem sich der Regisseur gelegentlich auf die Finger hätte patschen sollen um nicht über das Ziel hinaus zu schießen, jedoch aber mit einem tollen Drehbuch, guten visuellen Ideen, einem brillanten Darstellerensemble, viel Spannung und einem hohen Gruselfaktor aufwarten kann.