19. Okt, 2017

Das Belko Experiment

6,5 / 10 Punkten

Bildmaterial: © 2017 Twentieth Century Fox Home Entertainment

Die Schauspieler:

„Das Belko Experiment“ wartet insgesamt mit einigen bekannten Gesichtern auf. Darunter findet sich allen voran der Schauspieler und Regisseur Tony Goldwyn, der breiten Masse wohl noch als Carl aus dem Fantasyfilm „Ghost“ bekannt. Warum der Vergleich zu „Ghost“ – Goldwyn liefert hier als Betriebsleiter von Belko wieder ordentlich ab und es können deutliche Parallelen zu seiner damaligen, aggressiven, Darstellung gesehen werden. Ein besonders bekannter Mime ist wohl auch John C. McGinley, besser bekannt als fieser Dr. Cox der Serie „Scrubs“. McGinley läuft hier einmal mehr zur Hochform auf und hätte, mit etwas mehr Screentime, wohl eine seiner besten Leistungen seit „Platoon“ abliefern können. Ein weiterer Hauptdarsteller ist John Gallagher Jr., der den Belko Mitarbeiter Michael Milch spielt. Dieser spielt sich im Verlauf der Handlung immer mehr in seine Rolle und stellt glaubhaft die situationsbedingten Veränderungen seines Charakters dar. „True Detective“ Darstellerin Adria Arjona, spielt die Freundin von Milch – Leandra Jerez -  und spielt zwar die ihr zugedachte Rolle ganz gut, muss sich aber zumeist der drehbuchbedingten,  feministischen „Lauf und Wein“ Art ihres Charakters fügen. Wieder einmal brillant in einer genau für ihn zugeschnittenen Rolle, sehen wir Sean Gunn als den psychotischen Marty. Diese für ihn adaptierte Rolle, welche seinem Part in den „Gilmore Girls“ sehr ähnelt, ist wohl aber kein Zufall, da Gunn der Bruder von Erfolgsregisseur und „Belko“ Autor / Produzent James Gunn ist. Insgesamt macht das weitere Ensemble rund um Josh Brener, Michael Rooker, Melonie Diaz, Brent Sexton und Abraham Benrubi (den wir immerhin auch schon in Blockbustern wie „Open Range“ gesehen haben) ihre Sache sehr gut und trägt zur Stimmungserhaltung fast bis zum Ende bei.

 

Der Film:

Jeder Zuseher kann und wird für sich entscheiden, mit welchem Prädikat er „Das Belko Experiment“ beschreibt. Ob es pervers, krank, interessant, wertvoll oder hochintelligent ist, der Film ist kontrovers und wird sehr viele Meinungen hervorrufen. Regisseur Greg McLean nahm sich des Stoffes des Drehbuchs von James Gunn an und das Ergebnis kann sich für einen Film mit einem Budget von 5 Millionen Dollar schon sehen lassen. Interessant ist auch die Herangehensweise von Regisseur McLean, da in den Eröffnungsszenen – und sei es nur durch das eine oder andere Schild an der Wand – noch daran geglaubt werden könnte, es könne der Film mit einem Augenzwinkern betrachtet werden, doch nur kurz darauf wird man eines besseren belehrt und die Handlung driftet in die knallharte Ernsthaftigkeit. In den ersten beiden Dritteln sucht die psychische Belastung, welche auf die Belko Mitarbeiter drücken muss, Ihresgleichen. So feinfühlig und intelligent als möglich wird die Situation aufgebaut, welche, ohne die dementsprechende handwerkliche Raffinesse, auch in einem sinnfreien Schlachtfest enden hätte können. Wem noch das Schmunzeln im Gesicht gestanden ist, bei den „Halsband-Exekutionen“ aus „Kingsman“, dem wird hier in einer ähnlichen Situation das Lachen schnell vergehen. Ebenfalls erfrischend anders ist die Umsetzung der völlig atypischen Todesreihenfolge, denn auch bekannte Gesichter in der Darstellermannschaft sind nicht automatisch vor einem zu frühen Ableben gefeit. Seine stärksten Defizite hat der Film aber dann im finalen Drittel, da sich dort einige, zuvor schlau konstruierte, Situationen an die Wand fahren und schon wieder sehr nahe am herkömmlichen Splatter vorbeischrammen. In diesem Teil des Films beginnen dann auch, vielleicht bedingt durch die Veränderung des Drehbuchs, einige darstellerische Leistungen zu bröckeln. Ohne viel darüber erzählen zu wollen, ist auch die schlussendliche Auflösung (wenn es so genannt werden darf) alles andere als befriedigend und könnte einem gezielten Denkanstoß, aber auch banaler Ideenlosigkeit geschuldet sein. Es gibt vergleichbare Projekte, die einiges ähnlich, jedoch vieles besser als „Das Belko Experiment“ machten. Fans der „Cube“ Filme werden auch hier auf ihre „klaustrophobisch, perfiden Psychospielchen“ Kosten kommen und ähnlich wie in „Die Welle“ ist es sowohl hochinteressant, als auch beängstigend zuzusehen, wie sich sofort eine Leithierarchie herauskristallisiert, welche die Lämmer anführt und sie zur Schlachtbank begleitet. Wie nahe sich jeder Zuseher den Film kommen lässt, sei ihnen selbst überlassen, jedoch sei empfohlen, dass „Das Belko Experiment“ erst seine beste Wirkung erzielen wird, wenn man sich die eine, alles entscheidende Frage stellt – was würde ich selbst tun und wie weit wäre ich bereit zu gehen……?

 

Fazit:

Gut eingefädelter Bürothriller, der exakt auf Klaustrophobik und psychischen Stress setzt, mit gut ausgewählten Darstellern auch über weite Strecken des Films das Niveau relativ weit oben halten kann, im finalen Drittel aber stark nachlässt und in eine leider zu gewöhnliche und ideenlose Gewaltorgie mündet.